Wie ist es eigentlich so, dieses Mama sein?

Diese Frage habe ich seitdem ich Mama bin oft gestellt bekommen. Meist von Paaren die in einer Beziehung sind und darüber nachdenken eine eigene Familie zu gründen. Sie sind häufig auf der Suche nach der Antwort wann der richtige Zeitpunkt ist Kinder zu bekommen. Andere waren sich wiederum unsicher ob ein Kind überhaupt etwas für sie ist.

Aber gibt es ihn eigentlich, diesen perfekten Zeitpunkt?

Klar könnte man jetzt argumentieren, dass die biologische Uhr tickt und man in einem gewissen Alter damit anfangen sollte Kinder zu bekommen. Denn statistisch gesehen schwindet die Wahrscheinlichkeit schwanger zu werden immer mehr, wenn man auf die 40 zusteuert. Ab 35 gilt eine Schwangerschaft laut meiner Frauenärztin sogar als Risikoschwangerschaft. Das hat mich damals ehrlich gesagt überrascht, denn in meinem Freundeskreis haben alle erst mit Anfang oder Mitte 30 angefangen eine eigene Familie zu gründen.

Aber wie kommt es eigentlich, dass immer mehr erst mit 35 Jahren oder deutlich später die Kinderplanung beginnen?

Auch ich bin eine von denjenigen die mit 35 ihr erstes Kind bekommen haben. Warum? Ich hatte das Gefühl noch Dinge mit meinem Mann allein erleben und die Welt erkunden zu wollen. Ich habe mich vorher nicht bereit dazu gefühlt die Verantwortung für so ein kleines Wesen übernehmen zu können. Außerdem hatte ich Angst etwas zu verpassen, zu viele Einschränkungen in meinem Leben deshalb in Kauf nehmen zu müssen. Ich wollte die Zeit zu zweit mit meinem Mann erst noch in vollen Zügen genießen.

Auch die Selbstverwirklichung im Job hat bei mir eine Rolle gespielt. Erst einmal wollte ich mein Studium beenden und einige Jahre im Job sein bevor ich eine Pause für ein Kind einlege. Denn für eine Frau bedeutet eine Schwangerschaft häufig eine Auszeit im Job. Auch über den Wiedereinstieg danach habe ich mir Gedanken gemacht. Wenn ich ein Kind bekomme wollte ich auch Zeit mit meinem Kind verbringen und nicht mehr Vollzeit arbeiten.

Leider sind das alles Gedanken die ich mir tatsächlich vorab gemacht habe. Somit habe ich meine Familienplanung immer hintenan stehen lassen. Mein Mann hätte ich am Liebsten schon mit 30 angefangen Kinder in die Welt zu setzen, aber dafür war ich einfach noch nicht bereit. Auch ich habe oft Freunden die Frage gestellt wie es ist Eltern zu sein. Häufig kam die Antwort das es unbeschreiblich schön ist, aber auch sehr anstrengend. Man erst einmal reisen und die Welt sehen soll bevor man sich dafür entscheidet.

Ich war auch eine von denjenigen die innerlich immer die Augen verdreht haben, wenn sich auf einem 12 Stunden Flug auf einmal eine Familie mit einem Baby direkt in die Reihe hinter einem gesetzt hat. Ja, gemein aber wahr. Jetzt bekomme ich diese Blicke ab und kann sie nur belächeln.
Außerdem war ich auch eine von denjenigen, die froh war die Verantwortung wieder abgeben und seine Ruhe haben zu können, wenn Freunde mit Baby zu Besuch waren. Ich fand Babies immer süß anzuschauen und lustig, konnte es mir aber nicht so recht vorstellen wie es sein würde selbst Mama zu sein. Ich dachte immer mir fehlt der Bezug zu Kindern und ich bin vielleicht nicht der Typ dafür.

Je älter ich wurde und je mehr Kinder im Freundeskreis dazu kamen umso mehr wuchs aber der Wunsch in mir auch Mama zu sein und mit meinem wundervollen Mann ein Kind in die Welt zu setzen. Auf einmal änderte sich mein Blickwinkel und auch mein Interesse. Kinder waren nicht mehr nur die schreienden, quengelnden kleinen Wesen sondern einfach nur witzig, niedlich und süß. Ich wollte das Abenteuer Eltern sein wagen und mich einfach darauf einlassen ohne wirklich zu wissen was mich erwarten würde.

Wie ist es eigentlich so, dieses Mama sein?

Was soll ich sagen, ich bin seit fast 10 Monaten Mama und kann mir ein Leben ohne meine Kleine gar nicht mehr vorstellen. Jeden Tag wache ich auch, werde von meiner Kleinen mit einem breiten Grinsen begrüßt und bin einfach nur unglaublich verliebt. Ja, jeden Tag aufs neue! Endorphine deluxe sage ich euch. Hätte mir das vorher jemand erklären können? Nein! Ich glaube man kann dieses Gefühl nicht in Worte fassen, man muss es einfach selbst erleben dürfen. Ja, dürfen. Denn nicht jedem ist das Glück gewährt Eltern zu werden. Sei es weil es biologisch nicht passt, sei es weil man den Partner dafür noch nicht gefunden hat oder sich einfach viel zu spät dafür entschieden und es dann nicht mehr geklappt hat. Ich habe viele verschiedene Geschichten im Freundeskreis gehört und schätze mich glücklich dieses Mama sein erleben zu dürfen.

Es geht los mit der Schwangerschaft. 9 Monate wächst diese kleine Wesen in uns heran und wir tragen es direkt unter unserem Herzen. Wir spüren die ersten Tritte, sehen auf Ultraschall Bildern zum ersten Mal dieses kleine Gummibärchen und fühlen uns schon so mit unserem Baby verbunden. Wir sind gespannt was uns erwartet, haben Angst etwas falsch zu machen, wollen es beschützen und fragen uns wie wir die Geburt wohl überstehen werden.

Ach ja die Geburt. Ein Mysterium für alle nicht Mamas. Ich hatte wirklich keine Ahnung was mich erwarten würde. Klar weiß man was biologisch passiert, man hat Geschichten erzählt bekommen und vielleicht Videos gesehen. Aber all das hat mich nicht darauf vorbereiten können was wirklich an diesem Tag passiert. Auch das ist etwas das man nicht in Worte fassen kann.
Soviel ist sicher, der Tag wird euer Leben für immer verändern. Ihr werdet soviel Emotionen durchleben wie sonst nicht. Ich habe noch nie soviel Schmerzen und Glück gleichzeitig erlebt, wie an diesem Tag. Das erste Mal sein Baby in den Händen zu halten, anzufassen, anzusehen ist etwas das man nicht mehr vergisst. Es ist eine Erinnerung die für immer fast verankert sein wird und die seinesgleichen sucht.

Niemals hätte ich gedacht soviel bedingungslose Liebe für meine Kleine empfinden zu können. Die Natur hat es schon schlau gemacht, dass Babies so süß aussehen und sich verhalten das man einfach gar nicht anders kann als sie zu lieben. Es hat eine Weile gedauert bis ich tatsächlich realisiert habe Mama zu sein. Dass da jetzt Matilda ist, für die ich verantwortlich bin und die immer bei uns ist. Die unsere Zweisamkeit zur Dreisamkeit macht, mit allen Höhen und Tiefen. Denn ja, Babies sind auch oft sehr anstrengend.

Vor allem zu Beginn, in den ersten drei Monaten, wird oft geschrien und somit das Nervenkostüm der Eltern sehr strapaziert. Man muss erst einmal lernen die Kleinen zu verstehen, ihre Bedürfnisse zu deuten und sie auf die Welt vorzubereiten. Das bedeutet auch sie vor zu vielen Eindrücken zu Beginn zu schützen, ihnen nicht zu viel zuzumuten damit sie sich in Ruhe entwickeln können. Entwicklungsschübe gibt es in jedem Fall in den erste Monaten sehr viele und glaubt mir, da muss man durch, sie sind nicht einfach und bringen einen manchmal an den Rande der Verzweiflung.

Auch das Miteinander mit dem Partner wird sich verändern. Sei es weil das Liebesleben eine Weile hinten anstehen muss, oder er nicht mehr immer im Mittelpunkt steht. Sei es weil man anderer Meinung in der Kindererziehung ist oder wie man die Windeln wickelt. So kleine Babies bieten jede Menge Streitpotential, zumindest bei uns war das so. Aber wenn man es schafft sich die Zeit zu nehmen miteinander zu reden, aufeinander zuzugehen und Verständnis zu zeigen wird man in seiner Beziehung noch mehr wachsen. Ja, es wird nicht einfach aber es ist machbar.

War man früher abends in Restaurants oder Bars unterwegs, verlagert sich das jetzt eher auf die Mittagszeit. Zumindest ist das bei uns so. Wir gehen natürlich abends mal raus essen, aber nicht mehr so gerne seitdem wir ein Baby haben. Zum einen, weil man viel früher wach ist und er Tag meist schon gegen sieben Uhr startet und man abends dementsprechend schneller müde ist. Zum anderen sind die Nächte nicht mit viel Schlaf gesegnet, weil die Kleine noch gestillt wird. Ich kann an einer Hand abzählen wieviel Nächte ich durch geschlafen habe seitdem Matilda auf der Welt ist und ich freue mich auf die Zeit wenn sich das ändert.

Mein Fazit

Babies verlangen einem viel ab. Man gibt sich ein Stück weit auf, man wird wenig Schlaf bekommen und viel Verantwortung übernehmen. Mehr als einem manchmal lieb ist. Man wird neue Ängste haben, die man vorher nicht hätte erahnen können. Niemand hat mir vorher sagen können, dass ich nachts meine Hand auf die Kleine lege nur um zu spüren, dass sie atmet und alles in Ordnung ist. Viel größer als die Angst nachts wenig Schlaf zu bekommen ist die, dass meine Kleine nicht mehr aufwacht (Stichwort: plötzlicher Kindstod). Man will beschützen, da sein, Liebe geben und sich bei all dem selbst und als Paar nicht vergessen.

Babies geben aber so unglaublich viel zurück, dass man all seine Ängste und Sorgen vergisst und einfach nur unglaublich glücklich ist. Als Familie, als Mama, als Frau. Mit erleben zu dürfen wie sich Matilda entwickelt, wie sie ihre ersten Worte sagt, ihre ersten Schritte macht. Mit teilhaben zu dürfen wie sie die Welt entdeckt. All das ist unbezahlbar und einzigartig. Es gibt mir einen inneren Frieden den ich vorher nicht gekannt habe.

Ich könnte jetzt noch soviel mehr schreiben, aber das hebe ich mir für meinen nächsten Blogartikel auf. Aktuell bin ich nämlich auf Reise in Portugal und Mann und Baby schlafen grad nebenan. Bevor die beiden also wach werden bekommt ihr diese Zeilen von mir zu lesen. Folgt mir gerne auf Instagram auf meiner Reise mit Baby und stellt mir gerne fragen die euch interessieren. Ich hoffe ich konnte euch bei der Frage nach dem Thema Familie weiterhelfen.

Babies are our legacy to the world.

Stimmt!




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